Glasmuseum



Die Waldglashütte beim Klugbauer auf dem Reinischkogel erlebte ihre Hochblüte zwischen 1620 bis 1660. Besitzer des gesamten, weitläufigen Areals war das Stift Stainz. Die Chorherren holten sich exzellente Fachleute aus den Glaskunstzentren Europas (Murano, etc.) in die Weststeiermark, um das Handwerk zu erlernen und zu perfektionieren. Außer klassischem Scheibenglas wurden auch repräsentative Fläschchen, Becher, Schalen oder Pokale mit kunstvollen Verzierungen hergestellt.

Die inzwischen denkmalgeschützte Glasschmelzanlage am Reinischkogel besteht aus drei freigelegten Öfen und zählt zu den bedeutendsten Denkmälern frühzeitlicher Glasherstellung in Österreich. Während der Ausgrabungen konnten rund 700 kg an Artefakten geborgen werden, darunter ein komplett erhaltenes Glasbläserwerkzeug. Im Jahr 2013 wurde die gesamte Ausgrabungsstätte mit einem ganz aus Holz errichteten Gebäude vom Klugbauern eingehaust.



Für Interessierte 


Die frühneuzeitliche Waldglashütte.

Auf der Glaserwiese in Sommereben erstrecken sich in gut 1125 m Seehöhe die einzigartig erhaltenen Ruinen einer ehemaligen Glashütte des Augustiner-Chorherrenstiftes Satins. Die Glashütte stand über 40 Jahre, das heißt von ca. 1620 bis 1660, in Betrieb. Der 2011 nach einer topographischen Aufnahme durch das Bundesdenkmalamt mit dem Burgmuseum Deutschlandsberg archäologisch erforschte Hauptofen gehört aufgrund des guten baulichen Zustandes zu den bedeutendsten technischen Relikten frühneuzeitlicher Glasherstellung in Österreich. Ein über den Glasofenruinen errichteter Schutz- und Museumsbau aus Holz gestattet es den Besuchern, in einmaliger Art und Weise die Technik der Glasherstellung am originalen Schauplatz zu erleben.

Das Gebiet der Koralle mit allen ihren Ausläufern bildete über Jahrhunderte ein bedeutendes Zentrum des Glashüttenwesens in der Steiermark. Im Raum Greisdorf/Reinischkogel gelang es durch gezielte Forschungen, mehrere bislang unbekannt gebliebene Waldgalshüttenstandorte zu lokalisieren. Eine der ehemaligen Glaswerkstätten lag auf der Glaserwiese unweit des Anwesens Klugbauer auf einem Ausläufer des Reinischkogels. Die für den Betrachter noch eindrucksvollen Reste der einstigen Glashütte, wie beispielsweise die Ruinen des Schmelz- und Kühlofens, eines Nebenofens sowie die Spuren der einstigen Abfallhalde, konzentrieren sich auf einem leicht abfallenden Plateu unweit einer kleinen Quelle. Sämtliche für die Glasproduktion notwendigen Rohstoffe waren im Umkreis der Glashütte vorhanden. So gewann man das für für die Glasproduktion unentbehrliche Siliziumdioxyd aus Quarzfindlingen, die nach einer kurzen Erhitzung in einer Stampfe fein zermahlen wurden. Das Hartholz zur Befeuerung der Schmelzöfen stammte ebenfalls aus den umliegenden ausgedehnten Wäldern. Zahlreiche Köhlereien lieferten die Asche, die durch Verkopplung aus dem Holz mächtiger Buchen erzeugt wurde. Die daraus mittels eines komplexen Prozesses ausgelaugte Pottasche diente den Glasbläsern als Zuschlag zur Glasschmelze - setzte doch die Pottasche den Schmelzpunkt des Quarzes wesentlich herab.

Der Hauptofen.
Der kombinierte Schmelz- und Kühlofen zählt aufgrund seines guten Erhaltungszustandes zu den bedeutendsten Denkmälern frühneuzeitlicher Glasherstellung in Österreich und darüber hinaus. Die gesamte Ofenanlage besitzt eine Länge von 6,3 Metern und eine Breite von 2,55 Metern und wurde aus vor Ort anstehenden Gneisplatten in einer Bindung aus Lehm erbaut. Im Bereich des Kühlofens haben sich die Mauern mit einer Stärke von gut 0,9 Metern bis in eine Höhe von knapp einem Meter erhalten. Der dreiteilig aufgebaut Ofen besteht aus einem Feuerungs- und einem Schnürbereich mit davor liegender Aschengrube, dem zentralen Schmelzofen mit rechteckiger Schmelzkammer und dem daran angeschlossenen Kühlofen. Besonders interessant erscheint dabei, dass sich unter dem Kühlofen noch große Teile des mit einem Tonnengewölbe versehenen Schürkanals bewahrt haben. 
An den Längswänden des Schmelzofens, der ursprünglich mit einer Kuppel aus feuerfesten Ziegeln versehen war, befinden sich noch zwei zusätzliche Schür- und Belüftungsöffnungen. Im Inneren des Schmelzofens, der Temperaturen von über 1200 Grad Celsius bewältigen musste, standen auf einem einfachen Rost Tiegel aus feuerfestem Ton, in denen das Glasgemenge geschmolzen wurde. Über verschließbare Öffnungen in der Ofenkuppel entnahmen die auf einer hölzernen Arbeitsbühne tätigen Glasbläser mit Hilfe ihrer Glasmacherpfeifen gezielt Glasposten zur weiteren Verarbeitung. Fertige Glaswaren käme in den angeschlossenen Kühlofen, um dort langsam auf Raumtemperatur abzukühlen.

Die Glasbläser und ihre Erzeugnisse.
Das ehemalige Glashüttenpersonal wurd durch Eintragungen in den Kirchenbüchern der Pfarre St. Stefan ob Stainz für den Zeitraum von 1635 bis 1640 teilweise archivalisch fassbar, wie die Nennungen eines Aschenbrenners, mehrerer Glasmacher, eines Hüttenmeisters, eines Nachtschürers sowie eines Glashüttenschreibers beweisen.Neben einigen vollständig erhaltenen Glasmacherwerkzeugen aus Eisen, etwa einer Glasmacherpfeife sowie einem Streich- und einem Zwackenden, konnten umfangreiche Glas- und Werkstättenreste aufgefunden werden, die Einblick in das Produktikonsspektrum einer Glashütte der ersten Hälfte 17. Jahrhunderts gewähren. Dazu zählen Fragmente von Hohlgläsern wie Bandwurmgläsern, Nuppen- und Kreuzrippenbechern, unterschiedlich gestalteten Fläschchen, Krügen und Tellern aus hellgrünem, entfärbtem, rotem und seltener blauem Glas. Außerdem kamen charakteristische Abfallstücke ans Tageslicht, die eine intensive Fensterglasproduktion belegen. Zahlreiche Bruchstücke der Schmelztiegel, der sogenannten Glashafen, runden das Bild ab. Das hohe kunsthandwerkliche Können der Glasmacher wird insbesondere wegen der Fragmente aufwändig filigran verzierter Trinkgläser deutlich. Den klar erkennbaren venezianischen Einfluss, den nicht zuletzt Verzierungstechniken wie Diamantriss- und Glasfadendekor beweisen, mag man nicht nur allgemein mit dem Kunstinteresse der Zeit verbinden, sondern spezieller mit dem italienischen Glasmacher Christophori Duro, der in der Glashütte bei Greisdorf nachgewiesenermaßen als Spezialist tätig war.

Die Sanierungsmaßnahmen.
Nach Abschluss der Ausgrabungsarbeiten wurden sämtliche Mauerkronen des Schmelz- und Kühlofens gesichert, wobei das Bundesdenkmalamt dem Team beratend zur Seite stand. Dies geschah unter Verwendung originaler Steinsubstanz, wobei zur Abgrenzung von noch primären Mauerpartien als Bindemittel gelber sandiger Lehm herangezogen wurde. Das großteils noch original vorliegende Gewölbe des Schürkanals, der unterhalb des Kühlofens verläuft, konnte durch partiell eingezogene Aussteifungen aus Glasfiberplatten dauerhaft abgestützt werden. Aus statischen Überlegungen wurde ein Segment des Gewölbes neu errichtet, wobei eine klare Differenzierung der rekonstruierten Partien von originaler Substanz durch die Verwendung eines grau gefärbten Mörtels gewährleistet wird.

Das Schutz- und Museumsgebäude.
Die Waldglashütte auf der Glaserwiese stellt ein Denkmal frühneuzeitlicher Glasproduktion in Österreich dar, das in seiner Art und Weise als singulär bezeichnet werden darf. Aus diesem Grund wurde mit Unterstützung des Grundeigentümers, der Kleinregion sowie zahlreicher öffentlicher und privater Förderer ein Schutz- und Museumsgebäude über der archäologischen Stätte errichtet. Dieser Bau stellt den Abschluss der aufwändigen Sanierungsmaßnahmen, die seitens des Bundesdenkmalamtes gefördert und koordiniert wurden,d ar und zeigt damit als eindrucksvolles Beispiel, wie Initiativen aus der Region und seitens des Grundeigentümers vereint mit Hilfe des Bundesdenkmalamtes ein Prestigeprojekt für die Region realisieren können. Das über eine Lärchenschindeleindeckung verfügende Gebäude mit einer Grundfläche von 135 Quadratmetern deckt sich mehr oder weniger mit der Baufläche des einstigen Glashüttengebäudes und wurde auf Punktfundamenten aus Beton erbaut. Die in Ständerbauweise konstruierte Umfassung ist gänzlich aus Holz ausgeführt, wobei auf hohe Zweckmäßigkeit Wert gelegt wurde.

Nähere Informationen erhalten Sie unter anderem im Burgmuseum Deutschlandsberg.